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15.05.2003
Kölnische Rundschau - Automesse statt Breitensport

Heute werden Gutachter einen „Masterplan“ zur Umgestaltung des Stadionumfeldes vorlegen. Die Sanierung der denkmalgeschützten Häuser, ein neues Pflaster, ein neugestalteter Eingangsbereich und neue Lampen und Bänke werden je nach Ausführung 5 bis 9 Millionen Euro kosten.


„Es geht nur ums Nötigste“, sagt Sportstätten-Chef Hans Rütten.
In Zeiten normalen Haushaltens ist so etwas nicht viel, zumal sich das Umfeld des Stadions tatsächlich alles andere als weltmeisterlich darstellt. Doch in Zeiten des Haushaltssicherungskonzeptes werden die Sanierungsmaßnahmen zur Grundsatzfrage. Da die Sportstätten GmbH die Kostenübernahme an die Bedingung knüpft, in Zukunft die Nutzungsrechte der Wiesen und Sportplätze rund ums Stadion selbst vermarkten zu können, wird die Frage hoch politisch: Wie viel Unkommerzialität kann sich die Stadt noch erlauben? „Die Stadt muss sich fragen lassen, wie viel Sport sie sich noch leisten kann?“, fragt Rütten.


Bislang verwaltet das städtische Sportamt Jahn- und Vorwiesen sowie Ost- und Westkampfbahn - streng nach Gebührensatzung, die von Hobby- oder Betriebsmannschaften fünf Euro pro Stunde verlangt, Vereinsmannschaften ganz umsonst spielen lässt. Die Plätze sind voll: Vereine wie Borussia Lindenthal, der FC Junkersdorf oder Yurdumspor, 48 Mannschaften der Bunten Liga und viele Betriebsmannschaften trainieren auf den Wiesen. Karnevalsvereine, Gymnastikgruppen und Cheerleader tanzen. Es fliegen Rugbybälle, Frisbeescheiben und Pfeile - Breitensport pur.

Rütten verspricht, dass auch unter seiner Regie das Stadionumfeld Anziehungspunkt für den Breitensport bleiben soll - „unter den gleichen Nutzungsbedingungen“. Um aber mit den Flächen Geld verdienen zu können, werden sie auch anders genutzt werden müssen. Rütten denkt an Trödelmärkte, Automesse oder Großveranstaltungen von Konzernen aller Art. Dazu könnten Angebote zur dauerhaften kommerziellen Nutzung kommen. Mit Kunstrasen- oder Volleyball-Sandplätzen kann man das Achtfache der heutigen Miete verlangen. Um die Kosten für die Umsetzung des Masterplans wieder einzuspielen, müsste die Vermarktung jährlich rund 450 000 Euro einbringen. Das wird nicht ohne spürbare Einschränkungen der heutigen Nutzung gehen.

„Das ist eine völlig andere Welt“, sagt Sportamtschef Dieter Sanden, der für die alten Leitlinien Kölner Sportpolitik kämpfen will: Dass die Stadt ihren Bürgern die Sportinfrastruktur möglichst kostenlos zur Verfügung stellt, soll selbstverständlich sein - „egal wie aufwendig die Sportart ist“. Das Prinzip ist bei den Schwimmvereinen schon aufgegeben worden. In diesem Jahr wird wohl ein weiteres Tabu gebrochen: Wenn die vorgeschlagene Streichung der Jugendbeihilfen für die Sportvereine zurückgenommen werden soll, werden auch Vereinsmannschaften, in denen Erwachsene spielen, Gebühren für die Sportanlagen zahlen müssen - nicht nur am Stadion.

Von HELMUT FRANGENBERG (KR)


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