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24.03.2003
Kölnische Rundschau - Sport in der Defensive

Die Sportstätten GmbH hat als Besitzer und Betreiber des neuen Stadions in Müngersdorf der Stadt ein verlockendes Angebot gemacht: Sie will auf eigene Kosten für rund 10 Millionen Euro bis zur Fußball-WM das Stadionumfeld neu gestalten.


Ein Plan des städtischen Tochterunternehmens Sportstätten GmbH sorgt für Aufregung bei Kölns Sportvereinen. Die GmbH hat als Besitzer und Betreiber des neuen Stadions in Müngersdorf der Stadt ein verlockendes Angebot gemacht: Sie will auf eigene Kosten für rund 10 Millionen Euro bis zur Fußball-WM das Stadionumfeld neu gestalten. Im Gegenzug soll ihr die Stadt die Stadionvorwiesen, die Jahnwiesen sowie die Ost- und Westkampfbahn als Eigentum übertragen.

Das Angebot hat einen Haken: Vereine, die die Flächen nutzen, müssten in Zukunft Miete bezahlen. Sportstätten-Chef Hans Rütten stellt klar, dass es schon aus rechtlichen Gründen keine kostenlose Bereitstellung von Sportplätzen mehr geben könne. Er will die Wirtschaftlichkeit der GmbH vor allem durch die Vermietung des Geländes für Großereignisse verbessern. Dass damit Einschränkungen für den Breitensport verbunden sind, ist wohl unvermeidlich. „Die Stadt muss sich fragen, was sie sich noch leisten kann.“ Außerdem gelte es zu prüfen, ob die Vereine nicht auch an anderen Stellen spielen könnten.

Gegen den Plan formiert sich Widerstand: „Wir werden das Feld nicht kampflos räumen“, so Stadtsportbund-Chef Rainer Maedge. Rückendeckung gibt’s von der Opposition im Rat. „Die Stadt muss Eigentümerin bleiben, damit der Breitensport nicht noch mehr Beeinträchtigungen hinnehmen muss“, sagt der Vorsitzende des Sportausschusses, Wolfgang Bosbach (SPD). Maedge sieht den Sportstätten-Plan als weitere Etappe beim Abschied von der alten Selbstverpflichtung städtischer Vereinsförderung, die Infrastruktur für den Breitensport kostenlos zur Verfügung zu stellen. „Diese Absicht wird seit fünf Jahren nicht mehr durchgehalten“, sagt Maedge und nennt als Beispiele die Gebühren für Schwimmvereine und den Eishockey-Nachwuchs sowie die Übernahme der Pflege von Sportanlagen durch die Vereine.

Die Lage wird dramatisch, wenn neben der Erhebung oder Erhöhung von Nutzungsgebühren auch noch die Jugendbeihilfen für die Sportvereine, wie von der Verwaltung vorgeschlagen, von 435 000 auf 295 400 Euro zusammengestrichen werden. SPD und FDP haben Widerstand angekündigt. Vertreter beider Parteien versäumten in der letzten Sportausschusssitzung nicht den Hinweis auf die heftig diskutierte neue Kriminalitätsstatistik. „Die Vereine leisten einen unschätzbaren sozialen und kulturellen Beitrag für die Zukunft dieser Stadt“, so Bosbach. Die CDU verwies auf die allgemeine Haushaltslage. „Wenn Sie hier nicht sparen wollen, müssen Sie das Geld woanders im Sport- oder Jugendetat holen“, sagte der sportpolitische Sprecher der CDU, Hermann Josef Kramer - ein Argument, das Maedge und die Ratsopposition nicht gelten lassen wollten. Es müsse etatübergreifend nach Finanzierungsmöglichkeiten gesucht werden. Die Sparvorgaben im Jugendbereich hätten fatale Folgen.

Auch an einer dritten Front droht dem Vereins- und Freizeitsport ein schwerer Rückschlag. Im Sommer läuft das „Moratorium“ für das Eis- und Schwimmstadion ab. Ein Abriss der Anlage scheint kaum noch zu verhindern, um den Platz für ein Hotel, Büros, Wohnungen oder eine Veranstaltungshalle freizumachen. „Der Kämmerer könnte den warmen Geldregen gut gebrauchen“, so Rütten vielsagend. Als Ersatz für den Verlust des Freizeitangebots in der City schlägt er eine neue Eislaufanlage im Müngersdorfer Sportpark vor.


Von HELMUT FRANGENBERG (KR)


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